Affinity Photo Test

Affinity Photo Test: Photoshop Alternative für Windows und Mac

Mit Affinity Photo hat der britische Entwickler Serif eine ernstzunehmende und günstige Alternative für Adobe Photoshop und Adobe Lightroom entwickelt. Die Bildbearbeitungssoftware ist für Windows und Mac sowie ohne Abo erhältlich.

Gerade für viele Hobbyfotografen war Adobes Umstellung auf ein Abo-Bezahlmodell eine langfristig gesehen kostspielige Verpflichtung. Derzeit sind Photoshop und Lightroom im Bündel für monatlich 11,89 Euro erhältlich. Das macht im Jahr immerhin 142 Euro – und kostet auch dann Geld, wenn ich die Software mal einige Wochen nicht nutze. Affinity Photo bietet hingegen die Festpreisalternative. Für einmalig 49,99 Euro kann man Affinity Photo kaufen.

Affinity Photo Test: Einführung

Affinity Photo aus der Softwareschmiede Serif erschien vor knapp zwei Jahren für Mac OS X. Es fand unter Apple-Nutzern schnell eine große Fangemeinde. Seit Ende 2016 ist Affinity Photo auch für Windows erhältlich. Zunächst in einer Beta-Version, seit Affinity Photo 1.5 auch als reguläre Software.

Neben Affinity Photo bietet Serif mit Affinity Designer auch ein Programm für professionelles Grafikdesign an. Affinity Designer kostet ebenfalls 49,99 Euro. Es ist wie Affinity Photo für Windows und Mac erhältlich.

Die Arbeit in Personas

Affinity Photo basiert grundlegend auf verschiedenen Personas. Dabei handelt es sich um verschiedene Kernfunktionen des Programms. Die Photo Persona ist Serifs Antwort auf Photoshop. Die Develop Persona ist das Entwicklungsprogramm für RAW-Dateien und entspricht in seiner Funktionalität in etwa der von Adobe Lightroom. Zusätzlich verfügt Affinity Photo über eine Tone Mapping Persona. Damitlassen sich unter anderem HDR-Effekte kinderleicht erzielen, eine Liquify-Persona zum Verformen von Ebenen.

Die Photo Persona

Der Umstieg von Photoshop

Affinity Photo Benutzeroberfläche
Die Benutzeroberfläche der Photo Persona von Affinity Photo erinnert sehr stark an Photoshop. Umsteiger finden sich hier schnell zurecht.

Als langjähriger Photoshop-Nutzer war ich vor dem Kauf von Afffinity Photo unsicher, ob mir die Umstellung leicht von der Hand gehen würde. Mit der Zeit entwickelt man Routinen, Tastaturbefehle und Aktionen, die einem einfach fehlen würden.

Hier macht Affinity Photo den Umstieg von Photoshop extrem leicht. Viele Tastaturbefehle sind identisch, das Interface ist mehr als ähnlich und bei der Arbeit mit Ebenen, Filtern und den diversen Werkzeugen fühlt man sich wie zu Hause.

Ab und zu muss mich sich aber dennoch umgewöhnen, weil Affinity Photo an einigen Stellen bewusst einen anderen Weg als Adobe bei Photoshop eingeschlagen hat. So öffne ich per Tastaturbefehl nach wie vor regelmäßig die Textfunktion von Affinity Photo, wenn ich mein Bild eigentlich transformieren will. Dies geschieht bei Affinity Photo über die Werkzeugleiste mit dem Mauszeigersymbol (Verschieben-Werkzeug, Tastaturkürzel V). Hat man sich daran einmal gewöhnt, ist die Funktion einleuchtend und kann den Workflow beschleunigen – nur, dass ich mich eben noch nicht daran gewöhnt habe.

PSD-Dateien in Affinity Photo öffnen

Wichtig für jeden Einsteiger oder Umsteiger zu Affinity Photo ist natürlich die Frage der Kompabilität mit Photoshop. Das .psd-Dateiformat ist nunmal einer der Branchenstandards und wird es auch noch lange bleiben. Affinity Photo kann damit prima umgehen.

Man kann PSD-Dateien in Affinity Photo öffnen und bearbeiten, Ebenen bleiben dabei natürlich bestehen. Außerdem bietet Affinity Photo die Möglichkeit, PSD-Dateien in als eigene Ebene Affinityprojekte zu integrieren.

Pinsel, aber keine Aktionen

Photoshop Brushes in Affinity Photo
In Affinity Photo lassen sich problemlos Photoshop Brushes importieren. Außerdem bietet die Software zahlreiche nützliche Pinselspitzen ab Werk.

Photoshop-Brushes im .abr-Format lassen sich ganz einfach in Affinity Photo importieren. Dadurch müsst ihr euch nicht von eurer über die Zeit angesammelten Pinselsammlung trennen. Außerdem gibt es logischerweise viel mehr Brushes im Photoshopformat im Internet zu finden, als für Affinity Photo. Aber auch direkt für Affinity Photo entwickelte Ressourcen gibt es auf verschiedenen Websites.

Photoshop-Actions in Affinity Photo zu öffnen funktioniert allerdings leider nicht. Affinity Photo verfügt zwar seit Version 1.5 über die Möglichkeit, Macros aufzuzeichnen und mit anderen zu tauschen, diese sind aber nicht mit Photoshop-Aktionen kompatibel.

Diese Filter bietet Affinity Photo

Wer die verschiedenen Filter von Photoshop gewöhnt ist, wird auch bei Affinity Photo fündig werden. Ein Auszug aus den beliebtesten Filtern beinhaltet Unschärfefilter wie Bewegungsunschärfe und den Gaußschen Weichzeichner. Umgekehrt lassen sich Ebenen natürlich auch unscharf maskieren bzw. mit einem Hochpassfilter schärfen.

Unter den diversen Verzerrungsfiltern befindet sich natürlich auch einer für die Objektivkorrektur, auch wenn wir diese Aufgabe lieber der Develop Persona überlassen. Darüber hinaus sind natürlich Filter wie die Vignettenreduzierung und für die Entfernung chromatischer Abberation bzw. von Farbsäumen.

Die Rauschreduzierung in meinem Affinity Photo Test funktionierte tadellos, seit Affinity Photo 1.5 ist auch ein Filter für Staub und Kratzer verfügbar. Ihr seht schon an der Benennung der einzelnen Filter, dass sich auch ehemalige Photoshopnutzer ganz wunderbar in Affinity Photo zurechtfinden werden.

Frequenztrennung im Affinity Photo Test

Affinity Photo Frequenztrennung
Die Frequenztrennung mit Affinity Photo ist intuitiv und erfordert wenige Klicks.

Besonders gut gefällt mir die Frequenztrennung in Affinity Photo. Insbesondere für die Retusche von Haut ist die Frequenztrennung in Photoshop ein sehr beliebter Workflow. Affintiy Photo vereinfacht das Anlegen der Ebenen für die tiefen und hohen Frequenzen mit einem Knopfdruck – eine tolle Idee!

Sehr präzise Auswahlwerkzeuge

Das Affinity Photo Auswahlwerkzeug
Die Auswahlwerkzeuge von Affinity Photo arbeiten präzise und zuverlässig.

Auch schwierige Auswahlbereiche wie Haare oder Bäume meistert Affinity Photo hervorragend. Der Quick Mask Modus (aktivierbar mit der Taste Q) ist prima für eine schnelle Auswahl per Maske geeignet. Der Auswahlpinsel aus der Werkzeugleiste funktioniert hervorragend, die Verfeinerung der Auswahl ist schließlich leicht zu bedienen und liegt nur selten daneben.

Tools fürs Retuschieren

Ein sehr beeindruckendes Feature von Affinity Photo ist das Inpainting Tool, in der deutschen Version heißt die Funktion Restaurieren (aufrufbar mit der Taste J). Damit lassen sich unerwünschte Bildbereiche sehr leicht aus dem Bild malen. Ein störendes Haar im Gesicht eines Models, ein Lampenpfosten im Hintergrund des Bildes oder ein Fleck auf dem Hemd? Alles mit einem Pinselstrich verschwunden. Klasse!

Wermutstropfen: Keine Videobearbeitung

Ein Wermutstropfen der ansonsten so gelungenen Photo Persona ist die mangelnde Bearbeitungsmöglichkeit von Bewegtbildern. Videos lassen sich nicht öffnen bzw. bearbeiten. Das ist laut Entwicklern bislang auch nicht geplant.

Cinemagaphs in Affinity Photo zu erstellen fällt damit leider aus. Das ist in meinen Augen sehr schade, weil ich diese Möglichkeit in Photoshop sehr oft genutzt habe und mir eine Alternative suchen muss, wenn ich Photoshop nicht weiter im Creative Bundle beziehe.

Photo Persona Fazit

Die Photo Persona macht Affinity Photo zu einer guten und günstigen Photoshop Alternative. Wer von Photoshop umsteigt, wird sich schnell zurecht finden und einige innovative Funktionen finden, die bei Adobe (noch?) nicht integriert sind. Für Einsteiger bietet Affinity Photo nach der Installation einige Beispielprojekte, mit denen sich die Software recht schnell lernen lässt.

Die Develop Persona

Affinity Photo Develop Persona
Die Affinity Photo Develop Persona ähnelt in ihren Entwicklungsfunktionen Lightroom. Eine Fotobibliothek bietet die Persona aber nicht.

Mit der Develop Persona bietet Affinity Photo Entwicklerfunktionen, die aus Adobe Camera Raw oder Lightroom bekannt sind. Hier werden grundsätzliche Anpassungen an RAW-Dateien vorgenommen und schließlich in die Photo Persona importiert. In der Develop Persona lassen sich Weißabgleich, Belichtung, Details, Farben usw. korrigieren, wie es aus anderen Entwicklungsumgebungen bekannt ist. Bereichskorrekturen via Maskierungspinsel und Verläufen funktionieren in Affinity Photo sehr gut.

Sehr ausbaufähig ist allerdings noch der Weißabgleich. Hier fehlen mir verschiedene Vorgaben wie Tageslicht, Schatten und Kunstlicht. Außerdem ist nicht ersichtlich, ob oder wie Affinity Photo den Weißabgleich aus der Kamera übernimmt.

Keine Bildbibliothek

Im Gegensatz zu Lightroom bietet die Develop Persona bzw. Affinity Photo als Ganzes keine Möglichkeit zur Bildverwaltung, Bildauswahl oder Bildarchivierung. Die Develop Persona entspricht hier leider ganz ihrem Namen. Sie ist wirklich nur für die Entwicklung von RAW-Dateien (andere Formate funktionieren natürlich mit Einschränkungen ebenso) gedacht.

Ich habe Lightroom nie für die Verwaltung meiner Fotobibliothek genutzt, daher stellt mich das nicht vor größere Probleme. Viele werden hier aber einen großen Negativpunkt sehen, wenn sie eine Umstellung auf Affinity Photo in Betracht ziehen.

Die Develop Persona ist damit eine sehr mächtige Software für die Bearbeitung eurer Fotos, schneidet aber im Vergleich mit den Adobe-Tools (und im vergleich mit der fantastischen Photo Persona) nicht ganz so gut ab.

Affinity Photo Test Fazit

Affinity Photo ist eine tolle Alternative zu Photoshop und Lightroom, soviel steht fest. Wer sich am Abomodell von Adobe stört, findet hier für rund 50 Euro eine tolle Photoshop Alternative für Windows und Mac. Zahlreiche Funktionen, die Affinity Photo 1.5 mitbringt, sind sehr durchdacht und dicht an den Anforderungen, die man an eine Bildbearbeitungssoftware stellt. Ab und zu empfinde ich die Performance etwas hakeliger als bei der Konkurrenz von Adobe – und im Test ist Affinity Photo auch mal abgestürzt. Gemeinsam mit der mangelnden Fotoverwaltung und der fehlenden Möglichkeit, Videos zu importieren, sind das aber schon die Negativpunkte. Wer damit leben kann, ist mit Affinity Photo bestens bedient und erhält meine klare Kaufempfehlung – vor allem zu diesem Preis.

Pro und Kontra

Pro:

  • Günstiger Preis von 50 Euro via einmaliger  Zahlung
  • Tolle Features wie die Frequenztrennung auf einen Klick und den genialen Restaurieren-Pinsel
  • Intuitive Benutzeroberfläche, in der sich Photoshop-Umsteiger schnell zurecht finden
  • Vereint Entwicklung (parallel zu Lightroom) und Bearbeitung von Fotos (wie in Photoshop) in einer Software
  • Möglichkeit, PSD und ABR Dateien zu importieren

Kontra:

  • Keine Videofunktion
  • Keine Fotobibliothek wie in Lightroom
  • Ab und zu hakelige Performance

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